"Claviermusik" mit "C". Dies steht in der Fachsprache der Musik für Kompositionen für die verschiedensten Tasteninstrumente: Für das Cembalo, das Spinett oder die Orgel, für das Fortepiano oder das Hammerklavier, für das Clavichord oder auch für den Tangentenflügel – einem Klavier im modernen Sinn mit einem hellen, kräftigen Klang. Der israelische Pianist Michael Tsalka, ausgebildet in seiner Heimat, in Deutschland, in Italien und in den USA, wo u.a. Lambert Orkis zu seinen Lehrern gehörte, ist ein Spezialist auf dem Gebiet des Spiels auf historischen Tasteninstrumenten. Für sein Türk-Projekt hat er fünf Instrumente aus dem Museum der Universität von South Dakota ausgewählt, darunter ein Straßburger Spinett von Johann Heinrich Silbermann aus dem Jahr 1785, ein Wiener Fortepiano aus dem frühen 19. Jahrhundert von Anton Martin Thÿm und ein Regensburger Tangentenflügel von Frantz Jacob Spath und Christoph Friedrich Schmahl von 1784.
Lauter Weltersteinspielungen
Zwei Kollektionen mit jeweils sechs Sonaten sind auf den beiden CDs versammelt. Alle Werke sind Weltersteinspielungen. Sie erschienen 1776 und 1777 gedruckt, datieren also lange vor jener theoretischen Publikation, die Türk in der Geschichte der Klavierpädagogik berühmt machte. Es ist die „Clavierschule oder Anweisung zum Clavierspielen für Lehrer und Lernende“ aus dem Revolutionsjahr 1789. Türk, der 1750 in Chemnitz geboren wurde und 1813 in Halle verstarb, steht als Komponist stilistisch zwischen Carl Philipp Emmanuel Bach und Joseph Haydn. Spätbarocke Rhetorik und die Leichtigkeit des neuen Klassischen Stils verbinden sich zu einem Panorama der gefälligen, unprätentiösen Klaviermusik zwischen Bach und Beethoven. Michael Tsalka, der auch als Herausgeber an einer Edition von Türks Sonaten arbeitet, kennt das Œuvre des Komponisten und Theoretikers wie wohl kein anderer, und er setzt die Musik denn auch kongenial um – manchmal gefällig-spielerisch, dann wieder verträumt und versonnen und natürlich vielfach auch geläufig-virtuos. In dieser Doppel-CD à la Türk steckt nicht nur viel Musik, sondern auch eine kleine, aber feine Instrumentenkunde, die diverse Claviere der Zeit klingend vorstellt. © 2012 Bayerischer Rundfunk (Bavarian Radio)